Na, Ihr Memmen?

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Ich gebe zu, der Titel ist ein wenig klickbaitmäßig ausgefallen, aber mein Abenteuerherz hat schon ein wenig gezuckt, als wir am Wochenende derart begrüßt wurden. 

Was war geschehen?

Nun, es war mal wieder Zeit für unsere alljährliche Winterwanderung mit den Kumpels, welche seit ewigen Jahren immer am ersten Februarwochenende stattfindet. Und immer sind wir, egal bei welchem Wetter unterwegs gewesen und haben immer ein schönes Plätzchen zum Biwakieren gefunden. Es stand für uns also ausser Frage, auch bei einer miesen Wettervorhersage loszuziehen. Wie gesagt, das Ganze startete mal als Winterwanderung und nun hatten wir zweistellige Plusgrade und Dauerregen vor uns. 

Wander bei Mistwetter

Aber hey, als alter Outdoor-Hase hat man ja den ganzen nötigen Kram für die guten und die schlechten Zeiten daheim und packt dann halt die Regensachen ein. Was soll schon passieren, es pappt ja überall das GoreTex Label drauf. Viel Gedanken habe ich nicht an das bevorstehende Wochenende verschwendet, was sicherlich auch an der intensiven Erwerbsarbeit zuvor lag. 

Das Ende vom Lied? Wir stapfen den ganzen Tag auf einem extrem matschigen Wanderweg im Dauerregen den Natursteig Sieg entlang und weichen nach und nach auf. Natürlich funktioniert eine GoreTex Membran bei großem Temperaturunterschied am besten und das heisst eigentlich innen warm und draussen kalt. Hatten wir aber nicht. Also selbst wenn der Regen von den High Tech Klamotten abgehalten worden wäre, standen wir doch bald in unserem eigenen Schweiss. Das war dann aber auch egal, feucht ist feucht. Und wir haben ganz ordentlich gedampft, bei den gut 800 Höhenmetern auf der Tour. 

Am meisten verwunderte mich aber der Kapillareffekt, der dafür sorgte, dass das Regenwasser sich vom Bund der Hardshelljacke schön die Ärmel meines Fleece nach oben arbeitete. Anschauliche Physik, aber extrem doof auf Tour. Apropos doof, das war auch ich, als ich morgens beim Packen beschloss, die trockenen Wechselsachen gegen weitere Fressalien einzutauschen. Ich habe halt immer mehr Angst vor dem Hungerast, als vor  feuchten Klamotten. 

Wäre es nur das gewesen, hätten wir das Biwak vielleicht durchgezogen. Im Zweifel halt direkt von der Piste ab in den Schlafsack, im Zweifel sogar nackt, um wieder warm zu werden. 

Als dann aber die Regenjacke von einem von uns komplett ihren Geist aufgab, der einzige Unterstand für viele Kilometer (und damit ein potentieller Biwakplatz) bis auf die Grundbalken abgebrannt war und die Aussicht auf das Wetter am nächsten Tag nicht besser war, brachen wir übereinstimmend die Tour ab. Das erste Mal in zehn Jahren. 

Wir sind dann in das Basislager eines Mitstreiters ausgewichen, wo wir (natürlich scherzhaft) mit ebenjenen Worten begrüßt wurden. 

Und nun? Was lernen wir daraus? 

  • Wetterschutz muss auch mal erneuert werden! Ich werde mich dann mal an die Imprägnierung meiner Jacken und Hosen machen. 
  • Regen ist fieser als Kälte! Nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen! Angesichts fehlender trockener Wechselsachen hätte die Geschichte auch sehr unangenehm und nahe an einer Unterkühlung enden können! Damit ist nicht zu spaßen! 
  • Es gab sicher Zeiten, da hätten wir die Tour auf Teufel komm raus zu Ende gebracht. Aber auch wir werden wohl älter und weiser. 
  • Dauerregen bringt aufgrund der beschriebenen Problematik wohl jede Schutzkleidung an ihre Grenzen. (Ich werde mal diese Ponchos ausprobieren.) Es macht einfach keinen Spaß, bei solchen Bedingungen zu biwakieren. Kälte ist ja in Ordnung, aber bei einer solchen Wettervorhersage verschieben wir die Tour beim nächsten Mal doch besser. 

Habt Ihr auch schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht? Was ist eure Lösung für Dauerregen? 

3 KOMMENTARE

  1. Wir waren ja parallel im Hohen Venn unterwegs, wo es auch sehr sehr nass war. Die Kleidung hat allerdings mitgespielt und die Nächte im Zelt waren dank der Temperaturen auch bei Nässe ganz angenehm. Allerdings hat es dann auch gereicht und ein Tag länger hätte nicht sein müssen. Wenn die Feuchte sich erst einmal überall reingesogen hat, macht’s einfach keinen Spaß mehr..

  2. Tja, shit happens und abbrechen ist oftmals die bessere Wahl:
    2015 Spitzbergen. Wettersturz am ersten Tourtag, Orkan (Zelt in der Nacht dreimal neu aufgebaut) Temperaturen innerhalb von wenigen Stunden um 20 Grad gefallen. Meine Stiefel waren gefroren und tauten nicht mehr auf. Die Folge: Zehennägel weg beim Abstieg. Dank schlechter Satelliten Verbindung war der Heli schon startklar bis ich meine Basis wieder erreichen konnte.
    2017 Jutunheimen: Dauerregen auf der ersten großen Tour mit Hund. Die Booties für das Hundetier funktionierten nicht und so hat sich mein treuer Kumpel die Pfoten wund gelaufen. Ab zur nächsten Straße und mit dem Bus zurück zum Auto.

    Abbrechen wird um so enttäuschender, je mehr Zeit (und Geld) man in die Tour im Vorfeld investiert hat, find ich. Muss aber manchmal sein. Ein Freund auf Spitzbergen sah mich nach der Rückkehr nur an und meinte: Dein Stolz ist jetzt arg gekränkt – oder? So war es und das muss man verarbeiten. Beim nächsten Mal geht es dann besser vorbereitet und mit verbesserter Ausrüstung los, schließlich kann man aus Fehlern lernen…

  3. Klingt nach einem kleinen Abenteuer. Fahre bald zum Wandern in Montafon und werde mich auch gleich daran machen, meine Kleidung zu präparieren :)

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