Outdoor mit Kindern – Klettersteige

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In diesem Beitrag der Reihe “Outdoor mit Kindern” soll es um ein etwas anspruchsvolleres Thema gehen – dem Klettersteigen. Bisher hatten wir uns den Themen Zelten und Paddeln gewidmet, die für Eltern sicherlich geringere Hürden darstellen, als das Klettersteigen mit Kindern.

Jetzt kann man sicherlich fragen, ob Kinder überhaupt etwas auf einem Klettersteig zu suchen haben. Doch die Frage lässt sich eigentlich ganz einfach beantworten, wenn man sich vor Augen führt, dass eigentlich alle Kinder einen natürlichen Drang zur Bewegung und zum Klettern haben. Nicht umsonst gibt es Klettergerüste auf den Spielplätzen. Und doch ist ein Klettersteig eine ganz andere Nummer…

Meine Antwort auf obige Frage lautet einfach: “Na klar, warum denn auch nicht?”. Vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen. Und diese Bedingungen sind die folgenden:

  • Der Nachwuchs hat Spaß am Kraxeln, kommt freiwillig mit und hat ein Verständnis für das, was auf einem Klettersteig von ihm erwartet wird
  • Der Schwierigkeiten des Klettersteigs sind dem Können der Kinder angepasst
  • Die Wetterbedingungen sind optimal
  • Die Aufsichtsperson verfügt über Erfahrung und kann somit bei Problemen souverän reagieren

Schauen wir uns die einzelnen Punkte der Reihe nach an.

Auf Bäume zu klettern ist etwas anderes, als in der Kletterhalle und das ist wiederum etwas anderes, als am Fels ein wenig Luft unter dem Hintern zu haben. Bevor man also den Nachwuchs auf einen Klettersteig mitnimmt sollte man sich sicher sein, dass die Kinder dies auch als Spaß empfinden und angesichts der Höhenmeter keinen Stress bekommen. Klettern in der Halle oder im Klettergarten kann da schon gute Indikationen liefern. Erste Erfahrungen kann man auch auf Übungsklettersteigen sammeln. Das gilt insbesondere für die Bedienung des Klettersteigsets. Die Kinder sollten schon grundsätzlich verstehen, was sie dort tun und vor allem, warum sie es tun. Bei meinen Söhnen habe ich die Erfahrung gemacht, dass ab einem Alter von ca. 8 Jahren ein Verständnis für die Sicherheitsaspekte beim Klettern entwickelt wird.

Mit dem Nachwuchs im Klettersteig
Mit dem Nachwuchs im Klettersteig

Natürlich sucht man sich für die Tour mit den Kindern nicht den Sportklettersteig aus, den man schon immer mal gehen wollte. Das versteht sich von selbst. Also beschränkt man sich auf kurze und leichte Klettersteige, die dem Können, dem Alter und der Ausdauer der Kinder angemessen sind. Ich habe auf dem Mindelheimer Klettersteig ein Vater-Tochter Gespann gesehen, wo der Tochter die Panik förmlich ins Gesicht geschrieben war. Spätestens dann merkt man, dass die Wahl des Steigs vielleicht doch nicht angemessen gewesen sein dürfte.

Zu den Wetterbedingungen muss nicht viel gesagt werden – bei unsicherer Wetterlage und speziell, wenn Gewitter droht – hat man auf einem Klettersteig nichts verloren. Wer will schon an einem Blitzableiter entlang hangeln. Und wenn der Nachwuchs mit von der Partie ist, gibt es eben kein “Ach komm, dass schaffen wir schon”!

Die Aufsichtsperson – in vielen Fällen die Eltern – sollten über ein gewisses Maß an Erfahrung verfügen, um bei Herausforderungen souverän reagieren zu können. Sprich, sie sollten nicht die ganze Zeit mit sich selbst beschäftigt sein. In den Bergen kann immer etwas passieren und wenn es brenzlich wird, muß man sich als Aufsichtsperson eben um zwei oder mehr Personen kümmern. Dazu gehört natürlich auch das Handling mit dem Material.

Apropos Material – im Zuge der Berichterstattung über diverse Rückrufe von Klettersteigsets im zu Ende gehenden Jahr, wurde auch das Thema Klettersteigsets für Kinder thematisiert.  Fakt ist, dass “normale” Klettersteigsets im Falle eines Falles bei Kindern oder leichten Personen nicht unbedingt funktionieren würden, sprich, die Seilbremsen würden nicht auslösen. Die Industrie hat sich des Themas mittlerweile angenommen und bietet entsprechende Sicherungssysteme an. Bei Kindern würde ich allerdings eine andere Sicherungsmethode vorziehen – das Nachsichern.

Bei kritischen Passagen wie zum Beispiel senkrechten Steilpassagen – wo die Frage nach einer effektiven Seilbremse zum Tragen kommt – kann man den Nachwuchs auch extra sichern. Hier gibt es verschiedene Optionen. Die einfachste ist sicherlich ein 20 – 25 Meter langes Seilstück, welches zur Sicherung wie im Nachstieg verwendet wird. Sollte der Nachwuchs an einem Steilstück fallen, fällt er ins Sicherungsseil und nicht in die Seilbremse des Klettersteigsets. Etwas komfortabler geht es mit dem Edelrid Belag Kit zu – einem Set bestehend aus einem Seil, einer Tasche und einer Rücklaufsperre. Mit diesem Set können Kinder bequem nachgesichert werden und durch die mitgelieferte Tasche kann Seilsalat vermieden werden. Auch das Ablassen mit dem Set haben wir ausprobiert.

Soviel zur Theorie. Doch wie sah die Praxis bei uns aus?

Nun, unsere Söhne sind der vertikalen Fortbewegung gegenüber nicht abgeneigt. Wir gehen ab und zu in die Kletterhalle und nach Möglichkeit in den Klettergarten. Da lag der Wunsch nach einem Klettersteig recht nahe. Bereits zu Hause habe ich die Jungs theoretisch in die Bedienung des Klettersteigsets eingewiesen. Wohlgemerkt, wir haben ein Klettersteigset für die Jungs. Im Moment gehe ich nur mit einem von ihnen, um mich ganz auf ihn konzentrieren zu können. Das führt halt auch dazu, dass ich Klettersteige wie den Grünstein Klettersteig am Königssee zweimal hintereinander laufen muss. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier noch erzählt werden will.

Wir haben das Handling des Klettersteigsets an einem Übungssteig im Kleinwalsertal geübt und uns dann an den Grünstein  Steig gewagt. Die Jungs sind vor mir gegangen, damit ich sie immer im Blick hatte. Die Absprache war, dass wir im Falle einer schwierigen Passage wechseln und ich mit dem Edelrid Belag Kit nachsichern würde. Das war aber auf dem Grünstein Steig nicht nötig. Die Jungs waren entspannt und souverän unterwegs, so dass ich nicht das Gefühl hatte, extra sichern zu müssen.

Im Gegenteil, Mika, der jüngere, war so bei der Sache, dass er die Karabiner extra noch einmal umhing, wenn sie nicht gegenläufig eingehängt waren und die Sicherung noch einmal überprüft hat, wenn die Schnäpper der Karabiner sich geschlossen hatten.

Oben auf dem Gipfel angekommen, waren beide Jungs stolz auf sich (ich natürlich auch) und erzählen immer noch von dem Erlebnis.

Also, wenn man ein paar Grundregeln beachtet, gibt es keinen Grund, interessierte Kinder von Klettersteigen fern zu halten.

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16 KOMMENTARE

  1. Hi Rene,
    guter Artikel, den Grünstein-Klettersteig (nicht Grünhorn) bin ich damals auch gegangen, sehr schön. Nicht weit davon ist der Hanauerstein Übungsklettersteig, der ist ideal zum Probieren, gerade auch für Kinder.
    Viele Grüße, Uli

  2. ach Gott wie goldig der Kleine auf dem Bild xD Aber gut geschriebener Artikel. Vorallem finde ich es gut wie Du immer wieder drauf hingewiesen hast, dass und inwiefern man auf die Sicherheit achten sollte. Den Berg aller Berge den man schon immer mal besteigen wollte sollte man sich wirklich nicht als Herausforderung vornehmen wenn die Kids dabei sein.

    Liebe Grüße
    Jochen

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