Die Therm-a-Rest NeoAir All Seasons im Test

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Outdoor und Klettern mit Bergfreunde.de

Bei dem Wort “Luftmatratze” muß ich immer unwillkürlich an eine Begebenheit aus der Anfangszeit meiner Camperkarriere denken. Es war Wochenende und wir hatten unser Lager an einem See aufgeschlagen. Von Isomatten hatte ich noch gar keine Ahnung und so bettete ich mein Haupt auf eine klassische Luftmatratze bestehend aus zwei Kammern, einer für den Kopf und einer für den Rest vom Körper. Ihr kennt sicher solche Modelle aus Eurer Vergangenheit oder dem Museum. Nun trug es sich zu, dass ich – den Kopf auf die Ellenbogen gestützt – aus dem Zelt schaute, als, begleitet von einem lauten Knall, meine Ellenbogen gute zwanzig Zentimeter tiefer in den Boden einschlugen, während ich wohl aus der Talkumwolke ein ziemlich dummes Gesicht gemacht haben muss.

Das Ding war hin und auch meine letzte Luftmatratze. Bis jetzt…

In der zumeist von Isomatten der verschiedenen Typen beherrschten Outdoor Landschaft trifft man seit einiger Zeit durchaus wieder auf Luftmatratzen, die so gar nichts mehr mit den schweren Ungetümen der Vergangenheit zu tun haben.

Besonders für kalte Unternehmungen stellen die Matratzen eine gute Alternative zu herkömmlichen Isomatten dar. Und das in Bezug auf Gewicht, Komfort und Isolationsvermögen.

Vor unserer diesjährigen winterlichen Eifeltour haben mir die Bergfreunde.de freundlicherweise eine solche Ganzjahresluftmatratze zur Verfügung gestellt. Und zwar handelt es sich um die NeoAir All Season von Therm-a-Rest. Um diese Matte soll es in diesem Beitrag gehen.

Them-a-Rest NeoAir All Season

Zunächst einmal schauen wir uns die schnöden Fakten an.

Die technischen Daten

Die Matratze ist in drei Größen erhältlich – medium, regular und large.

  • Größe: 51 x 168 cm medium, 51 x 183 cm regular, 63 x 196 cm large
  • Dicke: 6,3 cm
  • Gewicht: 510 g medium, 540 g regular, 710 g large
  • Packmaß: 20,3 x 12 cm medium & regular, 28 x 12 cm large
  • R-Wert: 4,9 (Der R-Wert gibt Auskunft über das Isolationsvermögen der Matte.)
  • Material: Oberseite Polyester, Unterseite Nylon
  • Füllung: Nylon

Bei meiner Größe von ca. 182 cm habe ich mich für die regular Variante entschieden.

Der Lieferumfang

Im Lieferumfang befinden sich die Matte selbst und der Packsack. Dieser Packsack dient auch als provisorische Pumpe, um die Luftmatratze mit Luft zu füllen, doch dazu später mehr. Reparaturmaterial sucht man vergeblich.

Matte & Packsack

Der erste Eindruck

Verglichen mit den anderen Matten, die ich in Verwendung habe, fällt das geringe Packmaß der NeoAir All Seasons sofort auf. Zusammen mit dem eher geringen Gewicht, traut man der Matte erst einmal eine große Isolationsleistung nicht zu.

Rollt man die Matte aus – passiert erst einmal nichts. Schon komisch, wenn man sich an selbstaufblasende Matten gewöhnt hat.

Das Material der Ober- und Unterseite ist recht dünn. Automatisch denkt man Planen, die man unter die Matte legt, um sie gegen Beschädigungen durch Steine oder ähnliches zu schützen.

Aber das Gewicht, mein lieber Mann, das Gewicht…

Die Konstruktion

Im Innern der Matte nehmen mehr als 100 Kammern die Luft auf. Die Anordnung und Form der Kammern nennt Therm-a-Rest “Triangular Core Matrix Technologie“. Zwischen den Kammern befinden sich mehrere Reflexionsschichten, “Reflective Barriers” genannt. Die aufgewärmte Luft wird in den Kammern gehalten und die Wärme durch die Reflexionsschichten an einer Abstrahlung gehindert.

Die Kammerkonstruktion von Aussen

Das Handling

Vor dem erholsamen Schlaf steht hier erst einmal Arbeit – die Luft muß in die Matte. Wie weiter oben schon beschrieben, kann der Packsack als provisorische Pumpe genutzt werden. Einfach den kurzen Gummischlauch über das geöffnete Ventil stülpen, den Stoffsack mit Luft füllen, das Ende zuhalten und die Luft in die Matte pressen. Zugegeben, die Methode hat etwas “outdoor-nerdiges”, aber die NeoAir auf diese Weise zu füllen, ist recht langwierig.

Zumal es eigentlich keinen zwingenden Grund gibt, die Matte nicht mit dem Mund aufzublasen. Da in der Matte selbst keine Daunen oder ähnliches vorhanden sind, kann die Feuchtigkeit der Atemluft keinen Schaden anrichten. Das einzige, was passieren kann, ist, dass das Ventil einfriert. Aber diese Gefahr besteht bei deutlichen Minustemperaturen bei allen Matten, die man mit Atemluft entweder ganz oder teilweise aufbläst.

Die Packsackpumpe

Per Atemluft ist die Matte recht schnell gefüllt. Die Anzahl der Sterne, die man während des Aufpustens sieht, steigt wohl exponentiell mit der Pustgeschwindigkeit geteilt durch Lungenvolumen.

Das Ober- bzw. Untermaterial scheinen auf den ersten Blick ziemlich filigran und dünn zu sein. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Matte, die den Anspruch hat, auch für Expeditionen geeignet zu sein, sonderlich empfindlich gegen Beschädigungen durch Fremdkörper sein soll. Das wird die Zeit aber zeigen.

Der Schlafkomfort

Mit 6,3 cm Dicke bietet die Matte genügend Luft unterm Hintern, um für einen bequemen Schlaf zu sorgen. Zum Vergleich – meine Luxury Map vom gleichen Hersteller bietet 7,6 cm Dicke und ist geradezu ein Himmelbett. Da drückt bei der NeoAir nichts durch, man liegt sehr weich gebettet und kann den folgenden Tag ausgeruht angehen.

Den NeoAir Matten wird ein gewisses Knistern und Rascheln nachgesagt. Dies bringen die Konstruktion und die verwendeten Materialien so mit sich. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass die von der Matte verursachten Geräusche durchaus zu vernachlässigen sind, wenn man im Schlafsack darauf liegt. Dies haben auch meine Mitwanderer auf dem Eifelsteig bestätigt.

Es gibt sogar ein Video, welches den Unterschied im Rascheln der normalen NeoAir und der NeoAir All Seasons thematisiert. Wie gesagt, im Einsatz stört das Rascheln kaum und wie einer der Kommentatoren des Videos richtig geschrieben hat, ist man wohl nicht ausgepowert genug, wenn man sich dadurch stören lässt und hätte durchaus noch ein paar Kilometer weiter laufen können.

In Bezug auf die Isolationseigenschaften deutet der R-Wert von 4,9 auf eine auf dem Wintereinsatz ausgerichtete Luftmatratze hin. Der R-Wert ist der Wärmedurchgangskoeffizient der Matte und ist im Grunde ein Maß dafür, wie kalt der Boden sein darf, ohne dass dem Schlafenden auf der Matte der Hintern kalt wird. Sprich, je höher der R-Wert, desto besser isoliert die Matte. Eine schöne Übersicht über den R-Wert und den Vergleich verschiedener Isomatten hat Marcel von ausgeruestet.com vor einiger Zeit mal erstellt.

Das Packmaß

Mein Fazit

Mit der Therm-a-Rest NeoAir All Season hat man ein schickes Stück Ausrüstung in den Händen, welches eher für extremere Einsatzgebiete geeignet ist. Für den normalen Campingurlaub hat die Matte sicher zu viel “Charakter” und ist dort fehl am Platz.

Die NeoAir All Season ist bei den Bergfreunden für derzeit 139,95€ erhältlich.

 

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